Worauf man beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos achten sollte

In Deutschland ist der Markt für Elektroautos in gebrauchtem Zustand noch jung. Auf den einschlägigen Internetportalen finden sich aber bereits jeweils mehrere 1.000 E-Fahrzeuge. Zudem gibt es erste auf Elektroautos spezialisierte Gebrauchtwagenhändler.

Wollen Sie ein Elektroauto gebraucht kaufen, gilt es grundsätzlich die gleichen Dinge zu beachten wie beim Verbrenner. Daneben weist der Kauf aber Besonderheiten auf, die Sie beachten sollten: Einige Aspekte verdienen mehr Aufmerksamkeit, andere können eher vernachlässig werden.

Auf eine Probefahrt sollten Sie auf keinen Fall verzichten, wenn Sie ein Elektroauto gebraucht kaufen wollen.

Batterie / Akku

Worauf man am meisten achten sollte, ist der Akku. Er ist nicht nur das bei weitem teuerste Bauteil im E-Auto, sondern auch stark beansprucht und dadurch wichtig für die Reichweite des Autos. Akkus, die ihr gesamtes Leben lang immer nur am Schnelllader mit Strom beladen wurden, zeigen in der Regel einen höheren Verschleiß auf als solche, die immer nur langsam geladen wurden. Entsprechend verringert dies die maximale Reichweite.

Zum Prüfen des Akkus gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. In einer Fachwerkstatt lassen sich die Daten der Ladezyklen auslesen. Der sog. SOH oder State-of-health (auf Deutsch: Gesundheitszustand) der Batterien kann an der Datenschnittstelle des Elektroautos ausgelesen werden. Daraus ist ersichtlich, wie oft mit welcher Stromstärke wie viel Strom geladen wurde.
  2. Sie schauen auf der Anzeige des Elektroautos, das Sie gebraucht kaufen wollen, nach der Reichweite bei vollem Akku und vergleichen diesen Wert mit der ursprünglichen (Norm-) Reichweite. Entscheiden Sie dann, ob das für Ihre Zwecke ausreichend ist. Alle Hersteller in Deutschland geben eine mehrjährige Garantie (6 bis 8 Jahre) auf den Akku. Hierbei wird eine bestimmte Ladekapazität garantiert (zwischen 70% und 80%). Liegt die tatsächliche Ladeleistung innerhalb der Garantiezeit darunter, wird der Akku vom Hersteller getauscht.

enomo empfiehlt: Ein Protokoll des SOH (state of health) des Traktionsakkus gibt Sicherheit. Als Verkäufer erleichtern Sie dem potentiellen Käufer so die Kaufentscheidung. Als Käufer kennen Sie den Zustand der Akkus und mindern das größte Risiko beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos.

Batterie kaufen oder mieten?

Der Akku gehört nicht bei allen E-Autos zum Auto. Bei Renault und Smart beispielsweise kann bzw. muss/musste er gemietet werden. 

Als Käufer eines gebrauchten Elektroautos müssen Sie klären, ob der Mietvertrag auf Sie übergeht – und ob Sie das wollen. Denn neben dem Kaufpreis für das Auto kommt dann noch ein monatlicher Betrag zwischen ca. € 50 und € 200 hinzu, je nach vereinbarter Mietdauer und jährlicher Fahrleistung. Dafür sind Sie als Käufer mit einer gemieteten Traktionsbatterie auf der sicheren Seite, was die Leistung der Batterie anbetrifft: Eine defekte oder nicht mehr hinreichend leistungsfähige Batterie wird dann vom Hersteller ersetzt. 

Als Verkäufer sollten Sie vor einem Verkauf des Elektroautos unbedingt prüfen, ob die Batterie überhaupt mitverkauft werden darf. Sie würden sich sonst schadenersatzpflichtig gegenüber dem Batterie-Eigentümer (sprich: dem Hersteller) machen.

Sind gebrauchte Elektroautos wirklich „teuer“?

Die Gebrauchtwagenpreise von Elektroautos liegen aktuell über dem Preisniveau von vergleichbaren Verbrennern. Dafür sehen wir von enomo vor allem drei Gründe. 

Die Nachfrage nach Elektroauto-Neuwagen ist deutlich höher als das Angebot. Das verursacht zum Teil lange Lieferzeiten, die ein Signal an den Gebrauchtwagenmarkt sind, die Preise zu erhöhen. Denn wer nicht so lange auf sein neues Elektroauto warten will, wird bereit sein für ein Elektroauto, das gebraucht sofort verfügbar ist, einen Aufschlag zu zahlen.

Ein weiterer Grund liegt am Elektroauto selber: Es verschleißt nicht so schnell wie ein Verbrenner. Daher müssen Sie auch vor hohen Laufleistungen beim gebrauchten Elektroauto nicht zurückschrecken: Die Akkus halten viel länger als ursprünglich angenommen und Sie müssen nicht um Ihre Reichweite fürchten.

Schließlich liegen die relativ hohen Preise für gebrauchte Elektroautos an der Tatsache, dass E-Autos nur ca. 30 % bis 50 % der Betriebskosten eines Benziners oder Diesels haben – das rechtfertigt höhere Gebrauchtwagenpreise. 

Das führt insgesamt zu einem geringeren Wertverlust von Elektroautos in gebrauchtem Zustand. 

Wenn Sie Ihr Elektroauto gebraucht kaufen und es vorher sorgfältig prüfen, können Sie nicht viel  falsch machen. Die Angst vor teuren Reparaturen ist dann unbegründet, genau so wie die Angst um die Reichweite. Was am Verbrenner teuer werden kann, fehlt dem Elektroauto: Motor, Kupplung, Getriebe, Katalysator, Auspuffanlage. Ein SOH-Protokoll des Akkus schützt Sie vor einem teuren Austausch des Traktionsakkus, sofern nicht ohnehin noch Garantie auf den Akku besteht.

Um den Wert des gebrauchten Elektroautos zu beurteilen, kann Ihnen folgende Prüfliste helfen. Hieraus wird auch ersichtlich, welche Prüfungen intensiver und welche weniger intensiv als bei einem Verbrenner Auto durchgeführt werden sollten.

Allgemeinzustand

Ob alt oder neu: Gute Pflege dient dem Werterhalt. Das gilt für gebrauchte Elektroautos wie für Verbrenner Autos. Der optische Eindruck des Fahrzeugs lässt auf die Bereitschaft des Halters schließen, sich auch genauso gewissenhaft um die Technik des Fahrzeugs zu kümmern. Ein vollständig geführtes Wartungs- und Serviceheft, in dem alle Inspektionen und Wartungsarbeiten nach Herstellerangaben eingetragen sind, ist aber letztlich wichtiger als ein paar Krümel auf dem Teppichboden.

Unfallfreiheit

Die Frage nach der Unfallfreiheit ist grundsätzlich bei allen Gebrauchtfahrzeugen wichtig. Zuletzt wurden im Berliner Raum auffällig günstige, gebrauchte Tesla angeboten. Bei genauerer Untersuchung der Fahrzeuge stellte sich heraus, dass hier aus je zwei verunfallten (Schrott-) Tesla ein fahrbereiter gemacht wurde. In Deutschland dürfen solche „Reparaturen“ nicht erneut als KFZ zugelassen werden. Aus gutem Grund: Die Stabilität des „reparierten“ Fahrzeugs kann nie wieder den Originalwert erreichen. Die (selbst-)tragenden Elemente der Karosserie sind speziell für ihren Einsatz an genau dieser Stelle im Fahrzeug berechnet, sowohl was ihre Festigkeit, als auch was ihre Elastizität (Verformbarkeit) anbetrifft. Eine Schweißnaht ändert hier alles.

Die Unfallfreiheit des gebrauchten E-Autos sollten Sie sich im Kaufvertrag schriftlich bestätigen lassen, egal ob Sie das Auto in Deutschland oder im Ausland erwerben.

Fahrwerk

Das Fahrwerk (Achsaufhängung, Federn/Dämpfer, Lenkung, Reifen) ist beim E-Auto bereits vom Hersteller an das höhere Fahrzeuggewicht durch den Akku angepasst. Es ist daher nicht anfälliger als beim Verbrenner und sollte genauso geprüft werden.

Motor und Getriebe

Einen kritischen Prüfpunkt auf Ihrer Gebrauchtwagen-Checkliste können Sie beim E-Auto weitestgehend vernachlässigen: Motor und Getriebe sind nahezu wartungs- und verschleißfrei.

Bremsen

Auch die Bremsen unterliegen einem deutlich geringeren Verschleiß, weil E-Autos weitgehend elektrisch bremsen können. Der E-Motor wird dabei zum Generator und bremst das Auto elektromagnetisch (Rekuperation), ohne Verschleiß an Bremsscheiben und –belegen. Je nach individueller Fahrweise sind durchaus 200.000 km mit einem Satz Bremsbeläge möglich.

enomo verwendet den Einsatz von Cookies um Ihnen ein bestmöglichen Online-Service zu gewährleisten. Durch Nutzung der Webseite erklären Sie sich damit einverstanden und stimmen unserer Datenschutzerklärung zu.