Diesel raus, Elektro rein!

Diesel raus, Elektro rein!

Elektro-KFZ zahlen höhere Steuern und Abgaben pro Kilowattstunde als Verbrenner; Marktanreize erforderlich

Autofahrer sehen sich gerne als „Melkkuh der Nation“ – verständlich, denn Treibstoff ist mit bis zu 65 Prozent Steuern und Abgaben belastet. Das sparsamere Elektroauto punktet hier mit deutlich geringeren Treibstoffkosten pro Kilometer. Doch die Staatsquote ist kaum geringer: 55 Prozent des Preises entfallen bei Strom auf Steuern und Abgaben. Interessant ist dabei, dass E-Auto-Fahrer auf die von ihnen verbrauchte Energiemenge real sogar mehr Steuern und Abgaben bezahlen als Fahrer von Verbrennern. Das wirkt zunächst unlogisch – erklärt sich aber, wenn man statt des Anteils der Steuern und Abgaben deren realen Preis betrachtet.

Setzt man den Verbrauch (inklusive Ladeverluste) eines Elektroautos mit 15 bis 25 Kilowattstunden (kWh) pro 100 Kilometer an und den Strompreis mit 30 Cent, betragen die Treibstoffkosten rund € 4,50 bis € 7,50. Entsprechend lägen Steuern und Abgaben bei rund € 2,50 bis € 4,10. Absolut betrachtet liegt jeder Verbrenner selbst bei sehr sparsamer Fahrweise natürlich über diesem Wert – schnell auch beim Doppelten. Allerdings verbraucht der Verbrenner wesentlich mehr Energie als ein Elektroauto: Für 100 Kilometer selten unter 50 kWh, meist deutlich mehr (1 Liter Diesel enthält gut 10 kWh Energie, 1 Liter Benzin rund 8,5 kWh). Müsste der Verbrennerfahrer nun pro Kilowattstunde die gleichen Abgaben zahlen wie ein Elektromobilist, käme er schnell auf Kosten von € 8,00 bis € 15,00 pro 100 Kilometer nur für Steuern und Abgaben.

Bevor Sie sich nun beschweren: Dieser Vergleich betrachtet etwas einseitig einen bestimmten Blickwinkel. Er hinkt sogar, denn er klammert die Wirkungsgradverluste aus, die den hohen Verbrauch des Verbrenners verursachen. Bei Kohlestrom zum Beispiel ergeben sich diese Verluste im Kraftwerk, nicht im Motor. Fährt das Elektroauto mit deutschem „Standard-Strommix“, müsste man sie zum Verbrauch addieren. Fährt es hingegen mit Strom aus regenerativen Quellen, spielt dies überhaupt keine Rolle.

Der Vergleich ist keinesfalls exakt und versucht das auch nicht. Er zeigt aber zweierlei: Energie verschwenden ist immer noch zu günstig. Und: Es bestünde genügend finanzieller Spielraum, das ungeliebte Elektroauto für den Benutzer interessanter zu machen. Denn eine zügige Einführung ist dringend geboten – [der Einsatz] Erneuerbare[r] Energie wird im Verkehrssektor nur über den Umstieg auf Strom erreichbar sein!

Die skurrile Situation in Deutschland ist aber: Dieselbesitzer müssen Fahrverbote befürchten, weil ihr Auto viel schmutziger ist als gedacht [und angepriesen]. Der Staat fördert aber an der Zapfsäule nach wie vor – den Diesel. Ausgerechnet VW-Chef Müller muss die Politik auffordern, endlich E-Autos zu fördern und den anachronistischen Dieselvorteil zu streichen. Schließlich fremdeln die Deutschen noch mit den „Stromern“: Obwohl sie vor Fahrverboten schützen und es – gerade für Unternehmen – viele Einsatzfelder gibt, in denen die typischen Nachteile [der E-Autos] keine Rolle spielen, lahmt der Absatz.

Günstiger Treibstoff wäre ein probater Baustein, die Attraktivität zu steigern. Mobilitätsstrom muss also von Abgaben entlastet werden. Würde zugleich fossiler Strom endlich über eine ernstzunehmende CO2-Abgabe an seinen Folgekosten beteiligt, könnten Elektroautos sehr schnell zu einem großen Teil erneuerbar fahren!

Quelle: Windbrief Südwestfalen, Ausgabe Feb. 2018, Nr. 91
Herausgeber: Matthias Kynast, Erwitte
Mail: mk@windinvestor.de

Ergänzungen des Bearbeiters in [...]

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