Ohne Beutel gegen Tesla: Das steckt hinter dem E-Auto des Staubsauger-Giganten

Ohne Beutel gegen Tesla: Das steckt hinter dem E-Auto des Staubsauger-Giganten

Fisker, Coda, Mindset - die Liste der gescheiterten Elektro-Startups ist lang. Bislang konnten sich neben Tesla nur wenige behaupten. Jetzt sagt einer der bekanntesten Unternehmer Großbritanniens: Wir können das auch.

Mal wieder ein neuer Konkurrent für Tesla: Die vor allem für ihre beutellosen Staubsauger bekannte britische Firma Dyson arbeitet an einem Elektroauto und will es 2020 auf den Markt bringen. Das Fahrzeug werde "radikal anders" als heutige Modelle sein, sagte Firmengründer James Dyson der Zeitung "Guardian" ohne nähere Details. Ein Prototyp sei zwar noch nicht gebaut worden, aber ein Elektromotor dafür sei bereits fertig. Außerdem arbeite Dyson an zwei Arten von Batterien, die effizienter als die in bisherigen Elektroautos seien.

Noch kein Prototyp fertig

Weitere Details seien wegen des starken Wettbewerbs in der Branche noch geheim. Dyson baute bisher neben Staubsaugern auch Ventilatoren und Haartrockner. Zudem fördert er mit dem "Dyson Award" Tüftler und Erfinder. Der Brite hatte nach eigenen Angaben bereits 1998 die Idee, ein Elektroauto zu entwickeln. Ein Grund dafür: Er sei "sehr  besorgt" über die Partikel-Emissionen des Dieselmotors. Das irritiert etwas, denn gerade das Partikel-Problem ist bei Dieselautos seit Jahren gelöst. Aber auf der Anti-Diesel-Welle bekommt Dyson natürlich umso mehr Aufmerksamkeit für sein Projekt - inklusive möglicher Fördergelder. In Brexit-Zeiten dürfte der britischen Regierung Dysons Engagement jedenfalls hochwillkommen sein.

Wie ohne einen existierenden Prototypen innerhalb von nicht einmal drei Jahren ein fertiges Auto entstehen soll, bleibt dabei offen. Normalerweise dauert die Entwicklung eines völlig neuen Fahrzeugs inklusive der nötigen Tests deutlich länger. Vor allem dann, wenn - wie Dyson behauptet - eine im Autobau noch nicht erprobte Akkutechnik an Bord sein soll.

Elektroauto mit Feststoffbatterie

Die Feststoffbatterie, an der auch andere Hersteller wie Audi und Toyota arbeiten sollen, gilt durch den Wegfall eines flüssigen Elektrolyts unter anderem als besonders temperaturbeständig und sicher. Zudem soll die Energiedichte etwa doppelt so groß sein wie bei den aktuell gebräuchlichen Lithium-Ionen-Akkus. Das würde dann auch höhere Reichweiten mit sich bringen. Sollte Dyson die Akkus auch noch zu einem entsprechenden Preis in Massen produzieren können, wäre das tatsächlich ein Schlüsselfaktor für den Erfolg seines Stromers.

Doch was für eine Art Elektroauto schwebt Dyson eigentlich vor? Mehrere Szenarien sind denkbar:

Ein radikal vereinfachtes Fahrzeug, eventuell mit autonomem Antrieb - quasi eine XXL-Version eines Roboter-Staubsaugers.

Ein City-Fahrzeug, etwa als Konkurrent zum elektrischen Mini. Dem widerspricht allerdings Dysons nebulöser Hinweis zum angepeilten Preis des Autos: Das Fahrzeug werde "nicht günstig" sein, stellte Dyson klar - ohne eine Größenordnung für den Preis zu nennen. Beim Design werde "alles um die Technologie gehen", so Dyson zum "Guardian". Es werde aber kein Sportwagen werden.

 Am wahrscheinlichsten ist, dass der Wagen ein klassischer China-Import wird: Auf Basis eines existierenden chinesischen Fahrzeugs - etwa einem SUV - wird ein Elektrofahrzeug gebaut. So könnte Dyson auch die Entwicklungszeit bis 2020 schaffen. Dann wird der Wagen -  analog etwa zu den Plänen des Herstellers Borgward für Deutschland - in England endmontiert und in der Öffentlichkeit als britisches Produkt vermarktet. Der 70-jährige Dyson sagte dem "Guardian", das Fahrzeug werde mit großer Wahrscheinlichkeit in Asien gebaut, auch wenn Großbritannien mit im Rennen sei. "Wir werden das Auto dort produzieren, wo wir die Batterien herstellen." Dyson sehe einen sehr großen Markt für das Auto in Fernost.

"Wir heuern aggressiv Arbeitskräfte an"

Für das Projekt will Dyson 2 Milliarden Pfund (rund 2,3 Mrd. Euro) investieren. Mehr als 400 Mitarbeiter sind der Mitteilung zufolge bereits mit der Aufgabe beschäftigt und das Unternehmen heuere "aggressiv" weitere Arbeitskräfte an. Dyson hatte zuvor bereits erklärt, man arbeite an den neuen effizienteren Feststoff-Batterien und habe kein Interesse, sie an andere Firmen zu verkaufen.

Die Ankündigung aus Großbritannien unterstreicht die neue Konkurrenzsituation in der Autoindustrie:

Elektrofahrzeuge sind technisch einfacher zu bauen als Benzinfahrzeuge, das senkt die traditionell hohe Hürde für den Einstieg auch branchenfremder Wettbewerber.

Gleichzeitig bauen viele Zulieferer-Firmen eine Expertise für elektrische Antriebe auf und suchen nach neuen Partnern. Die ehemals verschworenen Gemeinschaften zwischen etablierten Autoherstellern und Zulieferern sind längst aufgebrochen worden.

Die chinesische Autoindustrie bietet sich dabei ebenfalls als Partner an. Mehrere neue Firmen und Marken - darunter Borgward, Wey, Byton, Lynk & Co - planen rund um das Jahr 2020 den Einstieg in den europäischen Automarkt, vor allem mit Elektroautos und Plug-In-Hybriden. Durch die Kooperation mit asiatischen Autobauern können Unternehmer wie Dyson auch die nötige Gesamtabstimmung eines Fahrzeugs, die ein kleines Startup kaum stemmen kann, teilweise auslagern.

Nicht alle Elektro-Projekte haben Erfolg

Der kalifornische Hersteller Tesla demonstrierte in den vergangenen Jahren, wie aus dem Stand eine populäre Marke aufgebaut werden kann, mehrere chinesische Firmen stellten Prototypen vor. Zugleich investieren etablierte Autobauer Milliarden in die Entwicklung eigener Elektromodelle.

Allerdings gibt es auch zahlreiche Beispiele von gescheiterten Elektro-Startups. Der ambitionierte "Mindset" aus der Schweiz,  der Plug-In-Hybrid Fisker Karma oder das Startup Coda Automotive zählen zu einer ziemlich langen Liste von Stromer-Projekten, die letztlich eingestellt wurden. Die zu erwartenden Fortschritte in der Akku-Technik sowie die Hast vieler Länder, so schnell wie möglich aus dem Verbrennungsmotor auszusteigen, könnten den neuen Projekten nun mehr Substanz verleihen. Wer am Ende übrig bleibt, wird besonders spannend. Der Wettbewerb für die etablierten Autobauer jedenfalls wird ab 2020 so hart wie noch nie - und die Autokäufer werden wohl mehr Auswahl haben als je zuvor.

Quelle: focus

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