So funktioniert die Kaufprämie für Elektroautos

So funktioniert die Kaufprämie für Elektroautos

Wer zuerst kommt, malt zuerst: Nach diesem Prinzip hat die Bundesregierung eine Kaufprämie für Elektroautos aufgesetzt, die sie offiziell "Umweltbonus" nennt. Die Subvention kann seit Anfang Juli beantragt werden. Ziel ist es, damit die Nachfrage nach elektrisch betriebenen Pkws anzukurbeln. Bislang scheint das selbst gesteckte Ziel, im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen zu haben, nicht erreichbar zu sein. In Deutschland sind noch immer weniger als 50.000 Elektroautos zugelassen.

 

Wie viel Geld gibt es?

Der Käufer eines reinen Batterie-elektrischen Neuwagens oder eines neuen Autos mit Brennstoffzelle erhält insgesamt einen Zuschuss von 4.000 Euro. Davon übernimmt der Bund die Hälfte, die andere Hälfte muss der Automobilhersteller dem Käufer als Nachlass gewähren. Für Plug-in-Hybride – also Fahrzeuge mit Verbrennungs- und Elektromotor, die sich an der Steckdose laden lassen – gibt es 3.000 Euro, ebenfalls je zur Hälfte von Bund und vom Hersteller getragen. Grundsätzlich fördert der Staat mit der Prämie Autos mit einem CO2-Ausstoß von unter 50 Gramm je Kilometer.

 

Ist die Prämie auf bestimmte Autos begrenzt?

Um den Vorwurf auszuräumen, der Zuschuss würde vor allem Luxusspielzeuge von Gutbetuchten unterstützen, hat der Bund eine Preisobergrenze festgelegt: Der Netto-Listenpreis des Basismodells darf 60.000 Euro netto nicht überschreiten. Das führt dazu, dass zum Beispiel ein Tesla Model S nicht förderfähig ist. Die komplette Liste aller Modelle, für die ein Umweltbonus beantragt werden kann, gibt es beim für die Prämie zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa).

Außerdem werden nur Fahrzeuge gefördert, die seit dem 18. Mai 2016 gekauft wurden. Neben Privatpersonen können auch Unternehmen, Vereine, Körperschaften und Stiftungen die Prämie beantragen – nicht aber die öffentliche Hand sowie die Autohersteller selbst und deren Tochterfirmen. Das Fahrzeug muss mindestens sechs Monate auf den Antragsteller in Deutschland zugelassen sein.

 

Wie lange wird die Prämie gezahlt?

Insgesamt stehen 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung – 600 Millionen Euro kommen vom Bund. Ist das Geld alle, endet automatisch die Laufzeit der Kaufprämie. Die Mittel reichen für bis zu 400.000 Fahrzeuge und damit laut Bafa voraussichtlich bis 2019. Die Regierung geht davon aus, dass der Topf aber schon früher leer sein dürfte.

Bisher ist die Nachfrage nach der Prämie eher schleppend angelaufen. Beim Bafa sind seit 2. Juli bis Montag gut 700 Anträge eingegangen. Aufgeschlüsselt nach Herstellern liegt BMW mit 225 Anträgen vorne. Es folgen Renault (195), Volkswagen/Audi (73) und Mitsubishi (55). Die Antragszahl entspreche den Erwartungen, sagte Bafa-Präsident Arnold Wallraff.

Wie beantragt man die Prämie?

Das Bafa, das dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellt ist, hat das Antragsformular online gestellt. Die Behörde hatte 2009 im Zuge der Wirtschaftskrise auch schon die sogenannte Abwrackprämie bearbeitet. Zusammen mit dem Antrag muss der Käufer den Kauf- beziehungsweise Leasingvertrag für das Elektroauto hochladen.

Welche reinen Elektroautos werden derzeit gern gekauft?

Insgesamt listet das Bafa 81 Fahrzeugmodelle auf, für die die Kaufprämie auf Antrag gezahlt wird. Laut einem Bericht des Spiegel wurde der Bonus bisher besonders häufig für die Modelle Renault Zoe, BMW i3 und BMW 225xe beantragt.

 

Der Renault Zoe ist der aktuelle Elektroauto-Bestseller in Europa. Er ist an einer heimischen Wallbox in einer guten Stunde vollgeladen, was für 100 bis 150 Kilometer mit dem 65-kW-Motor (88 PS) reicht. Zum Basispreis von 21.500 Euro addiert sich eine monatliche Batteriemiete von mindestens 49 Euro.

 

Bei jeweils knapp 35.000 Euro beginnen die Preislisten von BMW i3 und Volkswagen e-Golf. Beide kommen von einer deutschen Marke, schaffen gut 150 Kilometer Aktionsradius, haben sonst aber wenig gemeinsam. Der vier Meter lange i3 ist optisch eigenständig. Für ein batterieelektrisches Auto ist er sehr leicht, hat einen starken Motor (125 kW/170 PS) und eine Optionsliste, mit der man den Preis problemlos über 50.000 Euro treiben kann. Der e-Golf (85 KW/115 PS) lässt sich für Laien kaum von anderen Golf-Modellen unterscheiden. Seine Serienausstattung ist mit vier Türen, Klimaautomatik und Navigationssystem fast vollständig. In Norwegen ist er das meistverkaufte E-Auto.

Der Nissan Leaf ist mit über 200.000 Exemplaren der Weltverkaufsmeister unter den batterieelektrischen Autos. Er überzeugt durch Verlässlichkeit und die zuletzt auf 30 Kilowattstunden (kWh) gewachsene Speicherkapazität. Damit sind auf dem Papier bis zu 250 Kilometer Reichweite möglich; im Alltag sind abseits der Autobahn 200 Kilometer realistisch. Der Nissan Leaf, vom Format ungefähr so groß wie ein VW Golf und mit einem 80 kW (109 PS) starken Motor ausgestattet, kostet in der Version mit großer Batterie ab 34.385 Euro. Der Mindestpreis beträgt scheinbar geringe 23.365 Euro – dafür gibt es allerdings nur die Variante mit 24 kWh, und zusätzlich muss eine monatliche Rate als Leasing für die Batterie bezahlt werden.

 

Daneben führt die Bafa-Liste auch einige rein elektrisch betriebenen leichten Nutzfahrzeuge auf, die ebenfalls förderfähig sind, beispielsweise der Kastenwagen Citroën Belingo Electric, der der Peugeot Partner Electric oder der Renault Kangoo Maxi Z.E.

In jedem Fall nicht förderfähig ist, wie erwähnt, das luxuriöse Tesla Model S. Unter 82.700 Euro geht nichts. Wer zum Model S mit dem Zusatz P90D greift, muss mindestens 102.100 Euro zahlen. Dann fährt der Tesla 250 km/h schnell und beschleunigt in 4,4 Sekunden auf 100 km/h. Die Normreichweite von 557 Kilometern im offiziellen Testzyklus NEFZ reduziert sich auf der Autobahn auf unter 400 Kilometer. Die Nachfrage ist hoch, doch viele warten auf Teslas Model 3, das 2018 ab rund 40.000 Euro zu haben sein soll.

Und welche Plug-in-Hybridautos sind beliebt?

Plug-in-Hybrid-Favorit in Europa ist aktuell der Mitsubishi Outlander PHEV. Wow, ein ökologisches SUV, könnte man bei seinem Anblick denken. Und der Normverbrauch klingt mit 1,8 Litern je 100 Kilometer auch phänomenal. Allerdings können es auch über zehn Liter Superbenzin werden – dann nämlich, wenn die Batterie erschöpft ist. Pluspunkte beim Outlander PHEV: Er ist schnellladefähig und mit Anhängerkupplung erhältlich. Für mindestens 39.990 Euro verkauft Mitsubishi eine Menge Auto, die Motoren bieten eine Systemleistung von 149 kW (203 PS).

 

Technische Zwillinge sind der Audi A3 e-tron und der Volkswagen Golf GTE. Im Golf beginnt der elektrische Teilzeitspaß bei 36.900 Euro, im A3 bei 38.400 Euro. Die schwere Batterie hinter der Hinterachse schränkt das Kofferraumvolumen ein, und die elektrische Reichweite von 50 Kilometern schaffen selbst erfahrene Schleicher kaum.

 

Aus dem VW-Konzern kommt außerdem der Volkswagen Passat GTE Variant. Er kostet mindestens 45.200 Euro. Sein härtester Konkurrent ist der TDI 2.0 mit 110 kW (150 PS) und Automatikgetriebe, der bei 36.600 Euro startet. Zwar ist der GTE zügiger unterwegs, mit den Kraftstoffkosten des TDI aber kann er nicht mithalten. So bleibt der Plug-in-Hybrid etwas für Leute, die unbedingt mal ausprobieren wollen, wie sich das Fahren mit Strom anfühlt.

Der erste Van von BMW ist seit Frühjahr auch als Teilzeit-Elektroauto erhältlich. Der BMW 225xe, die Plug-in-Hybridversion des 2er Active Tourer, kombiniert einen Elektromotor mit einem vorn quer eingebauten Dreizylinder-Turbobenziner. Dabei treibt der Verbrenner die Vorderräder an, die Kraft des Elektromotors geht an die Hinterachse. Im Sportmodus leisten beide Antriebe zusammen 165 kW (224 PS). Laut BMW erreicht der 225xe (ab 38.700 Euro) einen Normverbrauch von 2,1 Liter pro 100 Kilometer. Die Batterie, deren Kraft für 41 Kilometer elektrisches Fahren reicht, ist in dem Kompaktvan unter der Rücksitzbank untergebracht.

 

Schon länger auf dem Markt ist der Volvo V60 Plug-in-Hybrid (56.900 Euro). Der Mittelklasse-Kombi war das erste Fahrzeug, das Diesel- und Elektromotor verband. Zusammen kommen sie auf 206 kW (283 PS) und beschleunigen den Zweitonner bis auf 230 km/h. Bis zu 50 Kilometer soll der Steckdosen-Hybrid rein elektrisch schaffen, der Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometern wird mit 1,8 Litern angegeben.

Der bekannte Toyota Prius Plug-in Hybrid (ab 36.600 Euro) basiert noch auf dem Vorgänger-Modell, die neue Version kommt erst Ende des Jahres auf den Markt. Arbeiten Verbrenner und E-Motor zusammen, ergibt sich eine Systemleistung von 100 kW (136 PS). Aufgeladen fährt der Kompakte rund 25 Kilometer rein elektrisch und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Der Verbrauch liegt bei 2,1 Litern.

Welche weiteren Vorteile haben Käufer von Elektroautos?

Bis Ende 2020 sind Elektroautos ab der Neuzulassung fünf Jahre von der Kfz-Steuer befreit. In einem Gesetz zur Förderung der Elektromobilität räumte die Regierung im vergangenen Jahr den Kommunen außerdem die Möglichkeit ein, Busspuren für Elektroautos zu öffnen, Durchfahrtsverbote für Elektroautos aufzuheben oder kostenlose Parkplätze für diese Fahrzeuge einzurichten. Bislang nutzen die Städte und Gemeinden diese Möglichkeit aber kaum. Daher bringt auch das eigens dafür eingeführte Kfz-Kennzeichen für Elektroautos, erkennbar am nachgestellten E (zum Beispiel B - PR 173E), kaum Vorteile.

Welche Förderung gibt es noch?

Neben der Kaufprämie beschlossen Vertreter der Autoindustrie und die Bundesregierung beim Autogipfel Ende April im Kanzleramt, dass zwischen 2017 und 2020 insgesamt 300 Millionen Euro in den Ausbau der vielerorts noch rudimentären Ladeinfrastruktur fließen sollen: 200 Millionen Euro für Schnellladesäulen, 100 Millionen Euro für normale Ladesäulen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt rechnet für diese Summe mit 15.000 zusätzlichen Ladepunkten. Sie sollen auch an Supermärkten oder Sportplätzen entstehen.

Weitere 100 Millionen Euro sind dafür reserviert, mehr Elektroautos für die Fahrzeugflotten des Bundes anzuschaffen. Künftig soll jeder fünfte Wagen des Bundes mit Strom fahren.

Quelle:
http://www.zeit.de/mobilitaet/2016-04/elektroauto-kaufpraemie-bestseller

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