Erneuerbare-Energien-Bilanz 2017 für NRW

Erneuerbare-Energien-Bilanz 2017 für NRW

Die Bilanz der Erneuerbaren Energien in NRW für 2017 fällt insgesamt gemischt aus: Ausbauziele noch in weiter Ferne.

Rekord beim Zubau von Windenergieanlagen, aber schwache Prognose für 2018.

Solarenergie entwickelt sich nur mäßig.

Regierungsbezirk Münster auf Platz 1 bei Erneuerbaren.

Düsseldorf, 19. März 2018 – Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) warnt trotz eines Rekordzubaus der Windenergie im vergangenen Jahr vor Euphorie. Die bundesweiten Ausbauziele für Erneuerbare Energien stellen das Energieland Nordrhein-Westfalen vor große Herausforderungen.
•    Einmaliger hoher Zubau von 312 Windenergieanlagen mit 868 Megawatt (MW) im Gesamtjahr 2017. Vorzieheffekte durch verschlechterte Gesetzeslage trüben Prognose: Einbruch um 50 Prozent für 2018 erwartet.
•    Zubau der Solarenergie seit Jahren schleppend: 2017 insgesamt nur ein Zubau von 195 MW mit 11.469 Anlagen. NRW muss Potential auf Dachflächen im urbanen Raum ausnutzen. Photovoltaik (PV) und E-Mobilität ideale Partner: selbstgenutzter Solarstrom muss von der EEG-Umlage befreit werden.
•    Energie aus Biomasse wird als Multitalent für Strom, Wärme und Kraftstoff weiterhin verkannt: der Zubau stagniert. Aktuell sind rund 1.285 Anlagen mit 790 MW am Netz. Darunter sind etwa 623 Biogasanlagen (295 MW).
•    Aktuell stabilisieren 435 Wasserkraftanlagen mit 480 MW zuverlässig das Netz, darunter zwei Pumpspeicherkraftwerke. Im flexiblen Energiesystem der Zukunft ist die Wasserkraft in NRW ein wichtiger Bestandteil und kann als verbrauchernahe und zuverlässige Energiequelle den Verbund der Erneuerbaren Energien optimal ergänzen.
•    Die Hälfte des Wärmebedarfs aller nordrhein-westfälischen Haushalte (271 Terrawattstunden) kann durch Geothermie gedeckt werden (Potenzial 154 TWh). Aktuell sorgen rund 53.000 erdgekoppelte Wärmepumpen für nachhaltige Wärmeerzeugung in NRW.

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Dipl.-Ing. Reiner Priggen, Vorsitzender des LEE NRW, rechnete heute in Düsseldorf vor, dass NRW noch einen weiten Weg vor sich hat: „Die neue Bundesregierung gibt als Ziel vor, bis 2030 einen Anteil von 65 Prozent Erneuerbare Energien am Stromverbrauch zu erreichen. Nach unseren Berechnungen ist dafür ein jährlicher, bundesweiter Zubau von jeweils 4000 MW Windenergie und PV notwendig. Nimmt man als Richtschnur für die regionale Verteilung den Königsteiner Schlüssel bedeutet das für NRW einen jährlichen Zubau von jeweils rund 800 MW PV und Wind. Davon sind wir aktuell weit entfernt. Das 2017er Rekordergebnis bei der Windenergie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Ausbaueinbruch bevorsteht. Dieses Ergebnis wird sich absehbar so nicht wiederholen, da die Rahmenbedingungen sich dramatisch verschlechtert haben.“

Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien sei Kontinuität wichtig, damit Ausbau- und Klimaziele erreicht werden, so Priggen. Auch für den Erhalt zehntausender Arbeitsplätze brauche die Branche Planungssicherheit. Industriepolitisch sei das hin und her bei der Energiewende fahrlässig: „Wer sich zu den Klimazielen bekennt, muss auch alles tun, um sie zu erreichen“, sagte Priggen und ergänzte: „Mit den geplanten Einschränkungen der Windenergie in NRW wurde Verunsicherung gestiftet. Es gibt zwar einen generellen Unterstützungswillen, aber letztlich wird der Erfolg einer Entfesselung in Megawatt gemessen. Und da sieht die Prognose nicht gerade rosig aus.“ Die Landesregierung müsse von restriktiven Maßnahmen gegen die Windenergie in NRW abrücken. Um Schwung in die Entwicklung der Photovoltaik zu bringen, könne NRW mit Anlagen auf landeseigenen Gebäuden vorangehen: „Für die Photovoltaik brauchen wir neue Wachstumsimpulse und veränderte Bedingungen im EEG. Obwohl wir im städtisch geprägten NRW genügend Dachflächen dafür haben, bleibt die Solarenergie seit Jahren weit hinter den Potenzialen zurück“, kritisierte Priggen.

Pläne der Landesregierung, das Land zum führenden Anbieter für Elektromobilität zu machen, seien äußerst begrüßenswert, erhöhten aber auch den Druck: „Derzeit wird viel über die Luftqualität in den Innenstädten, einen Kohleausstieg und belgischen Atomstrom diskutiert. Die Lösung dafür ist immer die gleiche: eine konsequente Energiewende samt Verkehrs- und Wärmewende. Dafür muss NRW als Industriestandort mit extrem hohem Stromverbrauch, entsprechend hohen Emissionen sowie Millionen Haushalten und Pendlern deutlich zulegen bei den Erneuerbaren.“

Hintergrund zum LEE NRW

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Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW ist die Interessenvertretung der Erneuerbaren Energien in Nordrhein-Westfalen. Nach dem Vorbild der Dachverbände in Bund und EU vertritt der LEE NRW die Branche spartenübergreifend gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Mitglieder sind Unternehmen, Verbände und Privatpersonen aus allen Bereichen der regenerativen Energien. Sitz der Geschäftsstelle ist in Düsseldorf. enomo ist Mitglied im LEE.

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