Wandlung zur digitalisierten Arbeitswelt

Wandlung zur digitalisierten Arbeitswelt

Die Digitalisierung verändert die Arbeit. Ein Gespräch mit Gerhadt Reese, Arbeits- und Organisationspsychologe, Personalberater und Entrepreneur (myExperte, feedbackone, Stadt4.0).

Wie sehen Sie die Zukunft der Arbeit?

Grundsätzlich wird ein gravierender Einschnitt durch die digitale Revolution stattfinden, getrieben von den Gesetzen der Veränderung. Diese stammen hauptsächlich aus der Ökonomie und dem Ingenieurwesen.

Welche Gesetzte der Veränderung meinen Sie dabei?

Ich nenne mal acht wesentliche:

  1. Grundsätzlich werden alle Daten, die gesammelt werden können, gesammelt.
  2. Alles, was vernetzt werden kann, wird vernetzt werden.
  3. Alle Daten werden so kombiniert, dass eine maximale Vorausschau möglich ist.
  4. Alles Eigentum löst sich in Vermietung auf.
  5. Die Unterscheidung von Produzent und Abnehmer löst sich auf.
  6. Plattformökonomien geben neue Geschäftsmodelle vor: Ein Beispiel ist enomo.de, ein Netzwerk für Erneuerbare Energien.
  7. Fast alle Tätigkeiten werden von Robotern und künstlicher Intelligenz übernommen.
  8. Alle Arbeitsplätze, die Regeln folgen, werden ersatzlos wegfallen.

Ersatzlos wegfallen… das ist sehr provokant.

Lassen Sie mich ein Beispiel nennen, wo die Digitalisierung bereits wirkt. Nehmen Sie eine KI-basierte Buchhaltungssoftware, die nur noch einscannt, den Text liest, versteht und vollautomatisch bucht. Ich glaube, dass Richard David Precht mit seinen Zukunftsthesen Recht hat. Aber auch, dass seine Schlussfolgerungen noch viel zu kurz gefasst sind.

Wenn Sie Recht haben, wie erklären Sie sich dann die momentan so gute Beschäftigungslage?

Der zurzeit stattfindende Umbau innerhalb unserer Gesellschaft durch digitale Transformation braucht aktuell nahezu alle Menschen und Ressourcen. Dieser wirtschaftliche Boom wird allerdings nicht für immer anhalten und nach dem Umbau zu neuen Sinnfragen führen.

Bemerken Sie Altersunterschiede im Umgang mit der Digitalisierung?

Grundsätzlich nicht. Jüngere Mitarbeiter gehen neugieriger, unbedarfter, aber auch weniger gewissenhaft an die Sache heran. Dagegen sind ältere Mitarbeiter zwar etwas vorsichtiger und langsamer, aber dann auch viel gewissenhafter, und verbinden dauerhaft ihre Erfahrungen mit den neuen Werkzeugen.

Gibt es besondere Ängste, die die Arbeitnehmer in Zeiten der Digitalisierung umtreiben?

Neben der Sorge, wegrationalisiert zu werden, bezieht sich meines Erachtens die größte Angst auf Einsamkeit und Vernachlässigung. Diese Angst ist extrem stark ausgebildet, wird jedoch versteckt und macht natürlich auf die Dauer krank. Ein Problem entsteht dadurch, dass immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten. Gleichzeitig müssen wir gerade die kreativen Mitarbeiter und die Willigen fördern, dies zu tun. Da die Zahl der Singlehaushalte aber steigt und keine familiäre Einbindung mehr stattfindet, muss der Vereinsamung entgegengewirkt werden. Eine neue Einstellung zur Arbeit und den eigenen Werkzeugen ist nötig. Viele Mitarbeiter werden lernen müssen, ihren Tag selbst zu strukturieren, um ihm auch durch Freizeitaktivitäten mehr Sinn zu verleihen. Gerade die zwischenmenschliche Kommunikation wird indes wichtiger werden.

Gibt es weitere Konsequenzen, die Sie für wichtig halten?

Wir müssen lernen, fünfdimensional zu denken. Drei Mal Raum, die Zeit und die fünfte, die virtuelle Dimension. Es zählt nicht nur, was sich sehen und zählen lässt. Die Fragen im Alltag müssen runtergebrochen werden: Welche Auswirkungen hat mein Tun auch auf die digitale, virtuelle Welt? Wie betrifft mich die virtuelle Welt in der Folge?

Quelle:
https://www.dortmund.ihk24.de/share/flipping-book/3758604/index.html#page/54

 

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