Wer braucht eine Wallbox mit 22 kW Ladeleistung?

Wie schnell Sie Ihr Elektroauto zuhause an der Wallbox laden können, entscheidet sich an zwei Fragen: Wie viel Strom kann Ihre Wallbox liefern? 

Und: Wie viel Strom nimmt Ihr E-Auto überhaupt an?

Wie bereits in unserem Beitrag Wallbox 11 kW geschildert, können die meisten aktuellen Elektroautos (Stand 08/2019) nur zwischen 5,5 kW und 11 kW laden – Plug-in Hybride oftmals gar nur mit 3,6 kW. Der Kauf einer Wallbox mit 22 kW Ladeleistung scheint also nur wenig Sinn zu machen.

Oder eben doch.

Fahrzeuge mit hoher Ladeleistung

Zum einen gibt es Elektroautos mit einer höheren Ladeleistung. Gerade die weit verbreiteten  Modelle Renault ZOE, Tesla S und X sowie BMW i3 können mehr als 11 kW an einer Wechselstrom-Ladestation laden:

  • Die ZOE kann serienmäßig bis zu 22 kW laden, ältere Modelle sogar bis zu 43 kW. 
  • Die Tesla Modelle S und X (bis 06/2019) konnten serienmäßig 11 kW laden, mit der Aufpreis pflichtigen Option „double charger“ auch 22 kW. Neue Tesla S und X (ab 07/2019) laden ausschließlich mit 16,6 kW. 
  • Der BMW i3 lädt serienmäßig mit 11 kW und kann per Option (Aufpreis) auf eine Ladeleistung von 22 kW aufgerüstet werden.

Bei diesen E-Autos verkürzt eine 22 kW Wallbox die Ladezeit erheblich – was Sinn macht.

Zukunftssicher

Auch aus einem anderen Grund heraus kann es sinnvoll sein, schon jetzt eine Wallbox mit 22 kW Ladeleistung zu installieren. Denn damit sind Sie sich von Anfang an zukunftssicher für E-Autos der nächsten Generation, die mit ziemlicher Sicherheit höhere Ladeleistungen haben werden. Die Preisunterschiede gegenüber einer 11 kW Wallbox sind hingegen eher gering. Sie können außerdem davon ausgehen, dass die Wallbox deutlicher länger von Ihnen genutzt wird als das E-Auto: Ihre Wallbox funktioniert auch in 15 oder 20 Jahren immer noch einwandfrei. Ob Sie dann immer noch Ihr heutiges Elektroauto fahren werden?

Hausanschlusswert

Wenn Sie eine 22 kW Wallbox kaufen und installieren lassen wollen, ist immer eine Anfrage bzw. Anmeldung beim lokalen Netzbetreiber notwendig. Auch hier muss es kein Nachteil sein, wenn Ihre Ladestation eine höhere Ladeleistung ermöglicht. Denn alle 22 kW Wallboxen lassen sich herunter regeln, per Software oder direkt in der Hardware. So kann die Stromaufnahme auf 3,6 kW oder 7,4 kW bzw. 11 kW begrenzt werden. Wenn Ihr Netzbetreiber in nicht allzu ferner Zukunft sein Netz dann so weit ausgebaut hat, dass auch für Sie 22 kW an Strom abzurufen sind, stellen Sie Ihre 22 kW Wallbox einfach wieder auf den maximalen Ladestrom ein.

Eine andere Möglichkeit, Netzengpässe zu umgehen, ist einen unterbrechbaren Stromzähler (smart meter) installieren lassen. Damit ermöglichen Sie dem Netzbetreiber, bei kurzfristig zu starker Stromnachfrage im Netz die Leistung Ihrer 22 kW Wallbox gezielt herunter zu fahren. Oftmals belohnen die Stromnetzbetreiber den Einbau dieser smart meter mit einem finanziellen Zuschuss.

Wallboxen mit 22 kW Ladeleistung gibt es von allen Herstellern am Markt. Wahlweise verfügen die Ladestationen über eine Ladesteckdose oder über ein festangeschlagenes Ladekabel. Ebenso ist die Auslegung auf Typ-1 oder Typ-2-Stecker entsprechend Ihren Bedürfnissen möglich. Die Preise beginnen bei ca. € 500 für einfache Wallboxen und reichen bis ca. € 4.500 für komplexe Ladesäulen. Hinzu kommen immer die individuellen Kosten der Elektroinstallation durch einen Fachbetrieb.

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