Welcher Stromtarif passt zu meinem E-Auto?

Welcher Stromtarif für das Elektroauto?

Eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts EuPD Research aus Bonn zeigt, dass nicht jeder Ladestromtarif für jedes E-Auto gleich günstig ist (https://www.eupd-research.com/aktuelles/detail-ansicht/autostromtarife-in-deutschland-grosse-vielfalt-aber-auch-hohe-intransparenz/)

 In vielen Tarifen verbergen sich Fallstricke, die das Laden mitunter teuer machen. 

Elektroautos sind besonders umweltfreundlich, wenn sie mit regenerativ erzeugtem (Öko-) Strom fahren. Wie beispielsweise Strom, der aus einer Photovoltaik-Anlage gewonnen wird. Ist es Ihre eigene Photovoltaik-Anlage, können Sie dies zusätzlich als sog. “Eigenstromquote erhöhende Massnahme” anrechnen lassen.

Im folgenden Artikel stellen wir Ihnen verschiedenen Tarife vor. Zusätzlich möchten wir hiermit auch die fehlende Preistransparenz beim Strom tanken verbessern.

Spezielle Tarife für den Ladestrom gibt es in zwei unterschiedlichen Varianten: 

  1. Strom für zuhause
  2. Strom für unterwegs 

Strom für zuhause: Das E-Auto mit Ökostrom laden

Prinzipiell können Sie Ihren (Öko-) Stromanbieter für Ihren Haushaltsstrom auch zum Laden Ihres E-Autos zu nehmen. Dies hat den Vorteil, dass Sie die Preise für den Strom kennen. Oft gibt es aber Möglichkeiten, das E-Auto zu günstigeren Konditionen zu laden. Das sind im Wesentlichen:

  • SmartMeter
  • 2-Tarif-Zähler 
  • Spezielle E-Mobilitäts-Stromtarife

 

Die Stromversorger und – Netzbetreiber befürchten (ob begründet oder nicht sei dahingestellt), dass mit zunehmender Verbreitung von E-Autos die lokalen Stromnetze an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit kommen. Daher bieten sie E-Mobilisten Stromtarife an, die mit gewissen Einschränkungen verbunden sind. Damit soll die Stabilität der Netze gewährleisten werden. Im Gegenzug erhält der Stromkunde einen vergünstigten Strompreis. 

Smart Meter regeln und zählen Strom digital

smartmeter

Manche Versorger, insbesondere in städtischen Ballungsgebieten, schreiben SmartMeter als Voraussetzung für einen 22-kW-Ladestrom-Anschluss vor. Diese „intelligenten Zähler“ lassen sich aus der Ferne steuern. So kann der Stromversorger bei einer eventuellen Überlast im (lokalen) Stromnetz die Stromzufuhr an diesen Abnahmepunkten (= intelligenter Zähler) auf eine vereinbarte Maximalleistung reduzieren oder ggf. auf Null herunter regeln. Das könnte passieren, wenn der Strombedarf insgesamt besonders hoch wäre (vermutlich nur tagsüber; nachts sinkt der Stromverbrauch generell bzw. es besteht ein Stromüberschuss) 

Zweitarifzähler / Doppeltarifzähler erfassen Hochtarif und Niedertarif

doppeltarifzaehler

Strom kostet zu unterschiedlichen Tageszeiten unterschiedlich viel Geld. Diese Tatsache können Sie mit einem 2-Tarif-Zähler nutzen. Grundsätzlich bekommen Sie mit 2-Tarif-Zählern immer Strom. Aber zu bestimmten Tageszeiten ist der Strom deutlich teurer (Hochtarif), während er über Nacht sehr viel günstiger ist (Niedrigtarif). Mitunter ist der Strompreis dann sogar negativ: Aufgrund der geringen Nachfrage in den Abend- und Nachtstunden bei relativ konstanter Stromproduktion geben Stromversorger zu diesen Zeiten ihren Strom zu deutlich niedrigeren Preisen als tagsüber ab.

E-Mobilitäts-Stromtarife

Einige Stromanbieter haben spezielle E-Auto Ladestrom-Tarife für zu Hause. Hier ein paar Beispiele: 

erenja ist ein Tochterunternehmen der Gelsenwasser AG und seit März 2019 am Markt. Die Firma beliefert Kunden mit Ökostrom und Gas. erenja hat einen speziellen Ladestromtarif, der ausgesprochen günstig ist: Für 19,90 Cent je Kilowattstunde bei einer monatlichen Grundgebühr von 9,95 Euro erhalten Sie zertifizierten Grün-Strom aus Wasserkraft. Zusätzlich erhalten Sie (vom Stromnetzbetreiber) kostenlos ein SmartMeter in Ihren Verteilerkasten eingebaut, an den ausschließlich die Ladestation / Wallbox angeschlossen werden darf. Dadurch werden die Durchleitungsgebühren an den Netzbetreiber für erenja geringer, was erenja an seine Ladestromkunden weitergibt. Im Gegenzug darf der Stromnetzbetreiber zur Stabilisierung des Stromnetzes den verfügbaren Ladestrom regulieren. Im Fall von erenja bedeutet dies, dass der Netzbetreiber vorgeben kann, wann das E-Auto geladen werden darf. 

Obwohl laut erenja aktuell kein Ladestromkunde davon betroffen ist, kann rein vertraglich das Laden beschränkt werden auf den Zeitraum von 20.00h bis 8.00h und von 16.00h bis 16.45h. In dieser Zeit steht die volle Ladeleistung zur Verfügung. Außerhalb dieser Zeiten gibt es gar keinen Ladestrom. Der Netzbetreiber ist verpflichtet, die von dieser Regulierung betroffenen Kunden 4 Wochen vorher schriftlich zu informieren.

Wenn Sie Ihr Elektroauto ohnehin hauptsächlich nachts laden, bedeutet diese Regelung keine Einschränkung für Sie. Günstiger kommen Sie tatsächlich zur Zeit nur noch an Ladestrom, wenn Sie ihn mit einer Photovoltaik-Anlage selbst produzieren.

Einen anderen Weg geht das 1998 gegründete Unternehmen naturstrom aus Düsseldorf. Beziehen Sie Ihren Ladestrom von naturstrom, reduziert sich auch der Preis für Ihren Haushaltsstrom von z.Zt. 28,95 Cent je kWh auf 27,75 Cent je Kilowattstunde. Naturstrom gewährt somit einen Mengenrabatt, da durch das Laden des E-Autos der gesamte Stromverbrauch im Haushalt steigt.

Die Abrechnung erfolgt über Ihren normalen Stromzähler. Bei naturstrom haben Sie einen gemeinsamen Tarif für Haushalts- und für Ladestrom. Naturstrom verkauft ausschließlich Strom aus deutschen Wind- und Wasserkraftanlagen. Eine Leistungsreduzierung ist nicht vorgesehen. 

Naturstrom bietet auch eine Ladekarte für unterwegs (s.u.). Das Unternehmen liefert darüber hinaus Bio-Gas und Wärme aus nachhaltigen Quellen und betreibt einen eigenen Strompark mit über 100 Gigawatt Leistung. Weitere Geschäftsfelder sind u.a. Mieterstrom-Modelle und die Verpachtung von PV-Anlagen.

Die sonnen GmbH betreibt ein virtuelles Netzwerk von Batteriespeichern in Privathaushalten oder bei Unternehmen. Die Idee dahinter ist, dass im Moment der Erzeugung nicht genutzter Solar-, Wind- oder Biogas-Strom in vielen, kleinen Batteriespeichern gespeichert wird. Jedes Mitglied der sog. sonnenCommunity kann aus allen Speichern Solarstrom beziehen und damit Leistungsschwankungen der eigenen PV-Anlage ausgleichen. Als Nebeneffekt wird so eine deutlich höhere Eigenverbrauchsquote erreicht, als wenn Sie Ihren eigenen PV-Strom ausschließlich selber nutzen wollten.

Für Besitzer einer eigenen PV-Anlage bietet sonnen spezielle Batteriespeicher an. Damit kann der Anlagenbesitzer Teil der sonnenCommunity werden und erhält mit der sonnenFlat eine bestimmte Menge an Strom (zwischen 4.250 und 6.750 kWh) zum Preis von 0,00 (!!) € je kWh. Es ist lediglich ein Mitgliedsbeitrag in Höhe von € 19,99 im Monat zu zahlen. 

In unserer Tarifübersicht unten erhalten Sie als sonnenCommunity-Mitglied z.B. 6.750 kWh an Strom pro Jahr zum Gesamtpreis von € 239,98. Diese Strommenge reicht für einen 4-Personen-Haushalt und für das E-Auto (im Rechenbeispiel mit 2.310 kWh p.a. veranschlagt).

Die sonnenFlat lässt sich neben einer PV-Anlage auch mit einem Blockheizkraftwerk / BHKW einer Windturbine oder einer Bio-Gas-Anlage nutzen. Für Kunden ohne eigene Stromerzeugung und ohne sonnenBatterie bietet sonnen mit sonnenStrom einen „normalen“ Öko-Stromtarif für 27,07 ct/kWh zzgl. € 9,99 mtl. Grundpreis.

Stadtwerke

Viele der über 2.000 deutschen Stadtwerke haben die Zeichen der Zeit erkannt und bieten E-Autofahrern verschiedene Vergünstigungen, zum Beispiel mit niedrigeren Tarifen oder Zuschüssen zum Kauf eines E-Autos oder einer Wallbox. 

Aufgrund der enormen Menge an Stadtwerken können wir Ihnen keinen vollständigen Überblick über alle Tarife geben. In unseren Beitrag https://www.enomo.de/foerderung/ladestation/ finden Sie eine Zusammenstellung von kommunalen und regionalen Stromversorgern, die neben den dort dargestellten Zuschüssen für Wallboxen oft auch besondere Stromtarife anbieten.

UNSER TIPP: Fragen Sie Ihren Stromversorger nach speziellen Tarifen und Zuschüssen!

Vergleich der Ökostrom Tarife

Anbieter monatl. Grundpreis Arbeitspreis je kWh Besonderheiten Kosten p.a. (14.000 km, 16,5 kWh/100 km Verbrauch)
erenja 9,95 € 19,90 Cent Smart Meter mit möglicher Zeitvorgabe: 20:00h bis 8:00h und 16:00h bis 16:45h 579,09 €
naturstrom emobil 8,90 € 27,75 Cent Ladekarte erhältlich 747,83 €
sonnenStrom 9,99 € 27,07 Cent ohne PV, ohne Speicher 745,20 €
sonnenFlat 6750 19,99 € 0 € bis 6.750 kWh p.a. nur mit eigener PV ab 7.600 kWh p.a. (ca. 9 kWp) + Speicher ab 10 kWh 239,98 € für Ladestrom und Haushaltsstrom

Unterwegs laden

In Deutschland gibt es über 120 Anbieter für das mobile Laden unterwegs. Nicht jeder Anbieter kann dabei 100% Öko-Strom garantieren.

Wichtig ist: Nicht jeder mobile Stromtarif ist für jedes E-Auto gleich gut geeignet! 

 

Der Grund dafür liegt in den verschieden großen Batteriekapazitäten und Ladeleistungen der verschiedenen Fahrzeuge. Außerdem gibt es unterschiedliche Tarifmodelle der einzelnen Anbieter, die sich wie folgt unterscheiden lassen:

  • Abrechnung nach Verbrauch in kWh
  • Abrechnung nach Zeit (in Minuten)
  • Pauschale Abrechnung je Ladevorgang
  • Fixpreis mit Monatspauschale
  • Mischformen

E-Auto-Fahrer beurteilen dabei die Abrechnung nach Verbrauch (kWh) überwiegend als die fairste Methode. Das muss aber nicht zwingend auch für Sie die günstigste sein. Aufpassen sollten Sie, wenn zusätzlich auch eine Gebühr je Zeiteinheit erhoben wird, das kann das Laden schnell recht teuer machen, vor allem, wenn man vergisst, das E-Auto rechtzeitig von der Ladestation zu nehmen. 

Für Vielfahrer ist eine Monatspauschale empfehlenswert. Aber auch hier gilt: Vorher durchrechnen, wie viel Strom Sie brauchen.

Besitzer von E-Autos mit einer eher geringen Ladeleistung  sollten aufpassen bei Tarifen die nach Zeit abrechnen: Um z.B. einen Akku mit 30 kWh Kapazität bei einer effektiven Ladeleistung von 6 kW zu laden, müssen Sie mindestens 5 Stunden laden. Bei einem Minutenpreis von € 0,10 kommen so € 30,00 für 1x Laden zusammen. Schafft Ihr E-Auto hingegen 22 kW Ladeleistung, reduziert sich die Standzeit auf ca. 1,5 Stunden und das Laden kostet nur noch € 9,00 – für die gleiche Menge Strom.

Interessant sind auch Tarife mit einer Pauschale je Ladevorgang. Aber auch hier gilt: Billig ist nicht gleich günstig. Bei der Charge & Fuel Card von Volkswagen rechnet sich die Pauschale von € 5,90 je AC-Ladevorgang bereits ab 20 kWh je Ladevorgang (ein durchschnittlicher Strompreis von € 0,30 je kWh unterstellt). Beim Tarif m.charge der Stadtwerke Mühlheim mit seiner Pauschale von € 12,00 je Ladevorgang kommen Sie zwar immer noch billiger weg, als an der fossilen Tanke mit Ihrem alten Verbrenner; lohnend ist diese Pauschale aber erst ab 40 kWh gespeichertem Ladestrom.

Gratis laden

Die meisten Stadtwerke haben sich im Ladeverbund „Ladenetz“ zusammengeschlossen und ermöglichen so ihren Kunden, auch außerhalb des eigenen Ladestationsnetzes Strom zu laden. Da aufgrund des geltenden Mess- und Eichrechts der Verkauf von Ladestrom an neuen Ladestationen nur noch im Rahmen eines geeichten Prozesses erlaubt ist, viele Ladestation aber nicht dem Eichrecht genügen, verschenken viele Stadtwerke den Ladestrom an ihren Ladestellen. Der Haken dabei ist: Das gilt nur für Kunden der jeweiligen Stadtwerke, die auch Ihren Haushaltsstrom dort beziehen. Hier kann es aber durchaus lohnend sein, Kunde der jeweiligen Stadtwerke zu werden – es hängt dann von der Menge des Ladestroms ab, den Sie im Jahr brauchen.

Eine gute Übersicht über mobile Stromtarife finden Sie u.a. auf goingelectric.de.

Welchen Ladestromtarif sollten Sie wählen?

Es kommt drauf an. 

  • E-Autos mit einem kleinen Akku, aber hoher Ladeleistung kommen bei Zeittarifen am besten weg.
  • Bei einem großen Akku (ab ca. 60 kWh) lohnt fast immer ein Pauschaltarif je Ladevorgang.
  • Vielfahrer sind in der Regel mit einer Monatsflatrate am besten bedient.
  • Unabhängig von der Akkugröße ist bei Fahrzeugen mit eher geringer Ladeleistung ein Tarif, der nach geladenen Kilowattstunden abrechnet, interessant. 

Achten Sie aber immer darauf, ob nicht noch zusätzlich nach Zeiteinheiten abgerechnet wird – solche Tarifkombinationen führen oft zu hohen Rechnungen. 

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