Welcher Stromtarif für das Elektroauto?

Welcher Stromtarif für das Elektroauto?

Elektroautos können ihre Umweltfreundlichkeit am besten auf die Straße bringen, wenn sie mit regenerativ erzeugtem Öko-Strom unterwegs sind. Von den Kosten her muss das für Sie als E-Mobilist kein Nachteil sein, da Ökostrom nicht teurer sein muss als konventionell erzeugter Strom. 

Wie eine jüngst präsentierte Studien des renommierten Marktforschungsinstituts EuPD aus Bonn ergab, ist aber nicht jeder Ladestromtarif für jedes E-Auto gleich gut, nämlich günstig. Dazu  verbergen sich in den Tarifen oft Fallstricke, die das Laden mitunter unverschämt teuer machen. Wir versuchen in diesem Beitrag außerdem, die zu Recht bemängelte fehlende Preistransparenz beim Strom tanken zu verbessern.

Spezielle Tarife für den Ladestrom gibt es in zwei unterschiedlichen Varianten: Strom für zuhause und Strom für unterwegs.

Das E-Auto zuhause mit Ökostrom laden

Es spricht nichts dagegen, Ihren Ökostromanbieter für Ihren Haushaltsstrom auch zum Laden Ihres E-Autos zu nehmen: Die Preise sind bekannt und der Stromanbieter wird sich über den zusätzlich fließenden Strom freuen. 

Es gibt aber Möglichkeiten, das E-Auto zu günstigeren Konditionen zu laden. Das sind im Wesentlichen:

  • SmartMeter
  • 2-Tarif-Zähler 
  • spezielle E-Mobilitäts-Stromtarife

 

Die Stromversorger und –Netzbetreiber befürchten (ob begründet oder nicht, sei hier dahingestellt), dass mit zunehmender Verbreitung von E-Autos die lokalen Stromnetze an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit kommen. Daher bieten sie E-Mobilisten Stromtarife an, die mit gewissen Einschränkungen verbunden sind. Damit soll die Stabilität der Netze gewährleisten werden. Im Gegenzug erhält der Stromkunde einen vergünstigten Strompreis. 

Smart Meter regeln und zählen Strom digital

smartmeter

Manche Versorger, insbesondere in städtischen Ballungsgebieten, schreiben Smart Meter als Voraussetzung für einen 22-kW-Ladestrom-Anschluss vor. Diese „intelligenten Zähler“ lassen sich aus der Ferne steuern. So kann der Stromversorger bei einer Überlast im (lokalen) Stromnetz die Stromzufuhr an diese Abnahmepunkte (= Zähler) auf eine vereinbarte Maximalleistung reduzieren oder gar auf Null herunter regeln. Das kann passieren, wenn der Strombedarf insgesamt besonders hoch ist. In der Regel wird das nur tagsüber Auswirkungen für Sie haben; nachts sinkt der Stromverbrauch generell bzw. es besteht sogar ein Stromüberschuss. Diese Tatsache können Sie mit einem 2-Tarif-Zähler zu Ihrem Vorteil nutzen.

Zweitarifzähler / Doppeltarifzähler erfassen Hochtarif und Niedertarif

doppeltarifzaehler

Zu bestimmten Zeiten ist der Strom deutlich teurer (Hochtarif), während er über Nacht sehr viel billiger abgegeben wird (Niedrigtarif). Mitunter ist der Strompreis dann sogar negativ: Aufgrund der geringen Nachfrage in den Abend- und Nachtstunden bei relativ konstanter Stromproduktion freuen sich die Stromversorger über zusätzlich Abnehmer, die mit niedrigen Preisen angelockt werden.

E-Mobilitäts-Stromtarife

Einige Stromanbieter haben spezielle E-Auto Ladestrom-Tarife für zu Hause, die wir Ihnen hier exemplarisch vorstellen.

erenja

erenja ist ein noch junges Tochterunternehmen (seit März 2019 am Markt) der Gelsenwasser AG, das Kunden mit Ökostrom und Gas beliefert. erenja hat einen speziellen Ladestromtarif, der ausgesprochen günstig ist: Für 19,90 Cent je Kilowattstunde bei einer monatlichen Grundgebühr von 9,95 Euro erhalten Sie zertifizierten Grün-Strom aus Wasserkraft. Zusätzlich erhalten Sie (vom Stromnetzbetreiber) kostenlos einen SmartMeter in Ihren Verteilerkasten eingebaut, an den ausschließlich die Ladestation / Wallbox angeschlossen werden darf. Dadurch werden die Durchleitungsgebühren an den Netzbetreiber für erenja geringer, was erenja an seine Ladestromkunden weitergibt. Im Gegenzug darf der Stromnetzbetreiber zur Stabilisierung des Stromnetzes den verfügbaren Ladestrom regulieren. Im Fall von erenja bedeutet dass, der Netzbetreiber vorgeben kann, wann das E-Auto geladen werden darf. 

Obwohl laut erenja aktuell kein Ladestromkunde davon betroffen ist, kann das Laden beschränkt werden auf den Zeitraum von 20.00h bis 8.00h und von 16.00h bis 16.45h. In dieser Zeit steht die volle Ladeleistung zur Verfügung. Außerhalb dieser Zeiten gibt es gar keinen Ladestrom. Der Netzbetreiber ist verpflichtet, die von dieser Regulierung betroffenen Kunden 4 Wochen vorher schriftlich zu informieren.

Wenn Sie Ihr Elektroauto ohnehin überwiegend nachts laden können oder wollen, bedeutet diese Regelung keine Einschränkung für Sie. Günstiger kommen Sie nur noch an Ladestrom, wenn Sie ihn mit einer Photovoltaik-Anlage selber produzieren.

naturstrom

Einen anderen Weg geht das bereits 1998 gegründete Unternehmen naturstrom aus Düsseldorf. Wenn Sie Ihren Ladestrom dort beziehen, reduziert sich auch der Preis für Ihren Haushaltsstrom von z.Zt. 28,95 Cent je kWh auf 27,75 Cent je kWh. Naturstrom gewährt folglich einen Mengenrabatt, da durch das Laden des E-Autos der gesamte Stromverbrauch im Haushalt steigt.

Die Abrechnung erfolgt über Ihren normalen Stromzähler. Bei naturstrom haben Sie einen gemeinsamen Tarif für Haushalts- und für Ladestrom. Naturstrom verkauft ausschließlich Strom aus deutschen Wind- und Wasserkraftanlagen. Eine Leistungsreduzierung ist nicht vorgesehen. 

Naturstrom bietet auch eine Ladekarte auch für unterwegs. Das Unternehmen liefert darüber hinaus Bio-Gas und Wärme aus nachhaltigen Quellen und betreibt einen eigenen Strompark mit über 100 Gigawatt Leistung. Weitere Geschäftsfelder sind u.a. Mieterstrom-Modelle und die Verpachtung von PV-Anlagen.

sonnen

Die sonnen GmbH betreibt ein virtuelles Netzwerk von Batteriespeichern in Privathaushalten oder bei Unternehmen. Die Idee dahinter ist, dass im Moment der Erzeugung nicht genutzter Solar-, Wind- oder Biogas-Strom in vielen, kleinen Batteriespeichern gespeichert wird. Jedes Mitglied der sog. sonnenCommunity kann aus allen Speichern Solarstrom beziehen und damit Leistungsschwankungen der eigenen PV-Anlage (z.B. wegen Bewölkung) ausgleichen. Darüber hinaus wird somit eine deutlich höhere Eigenverbrauchsquote erreicht, als wenn Sie Ihren eigenen PV-Strom ausschließlich selber nutzen wollten.

Für Besitzer einer eigenen PV-Anlage bietet sonnen spezielle Batteriespeicher an. Damit kann der Anlagenbesitzer Teil der sonnenCommunity werden und erhält mit der sonnenFlat eine bestimmte Menge an Strom (zwischen 4.250 und 6.750 kWh) zum Preis von € 0,00 (!!) je kWh. Es ist lediglich ein Mitgliedsbeitrag in Höhe von € 19,99 im Monat zu zahlen. 

In unserer kleinen Tarifübersicht erhalten Sie als sonnenCommunity-Mitglied z.B. 6.750 kWh an Strom pro Jahr zum Gesamtpreis von € 239,98. Diese Strommenge reicht für einen 4-Personen-Haushalt und für das E-Auto (im Rechenbeispiel mit 2.310 kWh p.a. veranschlagt).

Die sonnenFlat lässt sich neben einer PV-Anlage auch mit einem BHKW, einer Windturbine oder einer Bio-Gas-Anlage nutzen. Für Kunden ohne eigene Stromerzeugung und ohne sonnenBatterie bietet sonnen mit sonnenStrom einen „normalen“ Öko-Stromtarif für 27,07 ct/kWh zzgl. € 9,99 mtl. Grundpreis.

Vergleich der Ökostrom Tarife

Anbieter monatl. Grundpreis Arbeitspreis je kWh Besonderheiten Kosten p.a. (14.000 km, 16,5 kWh/100 km Verbrauch)
erenja 9,95 € 19,90 Cent Smart Meter mit möglicher Zeitvorgabe: 20:00h bis 8:00h und 16:00h bis 16:45h 579,09 €
naturstrom emobil 8,90 € 27,75 Cent Ladekarte erhältlich 747,83 €
sonnenStrom 9,99 € 27,07 Cent ohne PV, ohne Speicher 745,20 €
sonnenFlat 6750 19,99 € 0 € bis 6.750 kWh p.a. nur mit eigener PV ab 7.600 kWh p.a. (ca. 9 kWp) + Speicher ab 10 kWh 239,98 € für Ladestrom und Haushaltsstrom
enomo verwendet den Einsatz von Cookies um Ihnen ein bestmöglichen Online-Service zu gewährleisten. Durch Nutzung der Webseite erklären Sie sich damit einverstanden und stimmen unserer Datenschutzerklärung zu.